Chronik
Fallschirmjägerbataillon 261 – Lebach
„Wie Pech und Schwefel“
Gründung und Aufbau (1956–1958)
Mit dem Aufstellungsbefehl vom 3. Juli 1956 begann der Aufbau einer Fallschirmjägertruppe in der neu gegründeten Bundeswehr. Am 3. September 1956 meldeten sich die ersten Freiwilligen zum Dienst – dieses Datum gilt als die Geburtsstunde des späteren Fallschirmjägerbataillons 261.
Die erste Fallschirmsprungausbildung erfolgte ab November 1956 an amerikanischen Sprungschulen in Augsburg und München-Freimann. Mit der Aufstellung der 1. Luftlandedivision wurde die Einheit als Luftlandejägerbataillon 9 in die Luftlandetruppe eingegliedert. Bereits 1957 erreichte der Verband seine vorgesehene Kampfstärke und nahm an ersten Großübungen im In- und Ausland teil.
Sigmaringen und Namensgebung (1958–1961)
Am 1. Oktober 1958 verlegte das Bataillon nach Sigmaringen. Mit Wirkung vom 6. März 1959 erhielt die Einheit ihre bis zur Auflösung gültige offizielle Bezeichnung:
Fallschirmjägerbataillon 261.
In dieser Phase entwickelte sich früh eine enge internationale Zusammenarbeit, insbesondere mit französischen Luftlandetruppen. Gemeinsame Übungen bildeten die Grundlage für später regelmäßig durchgeführte deutsch-französische Luftlandeoperationen.
Garnison Lebach – neue Heimat (ab 1961)
Am 14. April 1961 verlegte das Bataillon in die Garnison Lebach im Saarland. Die Kaserne erhielt am 9. Dezember 1966 den Namen Graf-Haeseler-Kaserne.
Lebach blieb über mehr als fünf Jahrzehnte der Standort des Bataillons und wurde zum festen Bestandteil seiner Identität.
Schicksalsschläge und Bewährung (1965–1969)
Im November 1965 kam es bei einer Übung auf dem Truppenübungsplatz Baumholder zu einem schweren Unfall durch eine Handgranatenexplosion, bei dem ein Offizier tödlich verletzt wurde.
Ein besonders einschneidendes Ereignis war der Überfall auf die Wache des Munitionslagers Lebach im Jahr 1969, bei dem vier Soldaten getötet und ein weiterer schwer verletzt wurden. Dieses Verbrechen ging als „Soldatenmord von Lebach“ in die deutsche Geschichte ein und prägte den Standort sowie das Bataillon nachhaltig.
Kalter Krieg und NATO-Einbindung (1970er–1980er Jahre)
Während des Kalten Krieges war das Fallschirmjägerbataillon 261 fest in die Verteidigungsplanung der NATO eingebunden. Es stellte regelmäßig Kräfte für die Allied Mobile Force (Land) und nahm an multinationalen Übungen in Europa teil.
Ein öffentlich sichtbarer Höhepunkt war 1985, als das Bataillon anlässlich des Besuchs des amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan eine Ehrenformation stellte.
Neuausrichtung und Auslandseinsätze (1990–2001)
Nach dem Ende des Kalten Krieges veränderte sich der Auftrag der Bundeswehr grundlegend. Trotz Strukturreformen und Reduzierungen blieb das Bataillon erhalten – nicht zuletzt durch den Einsatz militärischer und politischer Entscheidungsträger auf Bundes- und Landesebene.
Ab 1993 beteiligten sich Soldaten des Bataillons an internationalen Einsätzen, darunter Somalia (UNOSOM II) sowie später auf dem Balkan im Rahmen von SFOR und KFOR. Parallel nahm das Bataillon an anspruchsvollen internationalen Übungen teil und errang 1995 als erste ausländische Einheit den Sieg beim NATO Challenge Cup.
Afghanistan und spezialisierte Kräfte (2002–2014)
Im Sommer 2002 stellte das Fallschirmjägerbataillon 261 wesentliche Teile der deutschen Sicherungskräfte für den Einsatz in Afghanistan im Rahmen von ISAF. Es übernahm zeitweise die Rolle des Leitverbandes der Infanteriekräfte in Kabul.
Die Eingliederung in die Division Spezielle Operationen und später in die Division Schnelle Kräfte unterstrich den hohen Ausbildungs- und Einsatzstandard des Bataillons. Der Verband war vollständig lufttransport- und sprungfähig und für Einsätze hoher Intensität vorgesehen.
Auflösung und Übergang der Tradition (2015)
Im Zuge der Neuausrichtung der Bundeswehr wurde das Fallschirmjägerbataillon 261 am 31. März 2015 außer Dienst gestellt. Teile des Verbandes gingen im Fallschirmjägerregiment 26 auf. Der Standort Lebach blieb weiterhin militärisch genutzt.
Abzeichen, Symbolik und inoffizielle Bezeichnungen
Das offizielle Verbandsabzeichen zeigte auf grünem Grund einen weißen Fallschirm, davor einen rechtsgewendeten roten Teufel mit Spieß. Das Abzeichen trug den Wahlspruch:
„Wie Pech und Schwefel“
Der rote Teufel stellte keinen offiziellen Ehrennamen dar. Er knüpfte symbolisch an die historische Bezeichnung deutscher Fallschirmjäger als „Grüne Teufel“ an. Aus dieser Darstellung entwickelte sich innerhalb der Truppe sowie im kameradschaftlichen und öffentlichen Sprachgebrauch die inoffizielle Bezeichnung „Rote Teufel“.
Diese Bezeichnung war nie amtlich, wurde jedoch als Ausdruck von Kampfgeist, Zusammenhalt und Identifikation verstanden und gepflegt.
Vermächtnis
Über fast sechs Jahrzehnte hinweg stand das Fallschirmjägerbataillon 261 für Einsatzbereitschaft, internationale Verantwortung und enge Kameradschaft.
Sein Auftrag umfasste den Kampf in der Tiefe, das Nehmen und Halten von Schlüsselgelände
sowie den Schutz eigener und verbündeter Kräfte.
Das Motto „Wie Pech und Schwefel“ stand für engen Zusammenhalt, Kameradschaft und
Einsatzbereitschaft – Werte, die Generationen von Fallschirmjägern geprägt haben.
